Strukturelle Alternativen und Gegenkräfte innerhalb des kapitalistischen Systems
Eine Demokratie verspricht uns eigentlich eines: Dass das Wohl aller Menschen an erster Stelle steht. Doch in der Praxis sieht das oft anders aus. Auf den globalen Märkten zählt für viele Firmen meist nur eins: Der maximale Gewinn.
Wenn Unternehmen kurzfristige Gewinne wichtiger finden als Umweltschutz, faire Löhne oder gute Qualität, dann rückt der Mensch aus dem Blickfeld. Aus dem Kunden oder Arbeitnehmer wird plötzlich nur noch ein Werkzeug, um Geld zu verdienen.
Die große Frage ist also nicht, ob wir das ändern müssen – das tun wir auf jeden Fall –, sondern wie. Wie kriegen wir das Wirtschaftssystem so hin, dass es wieder den Menschen dient und nicht umgekehrt? Hier sind drei konkrete Wege, wie wir diese Lücke zwischen unseren demokratischen Werten und dem aktuellem wirtschaftlichen Alltag schließen können:
Jede Person kann aktiv zur Gemeinwohlwirtschaft beitragen.
Stärken Sie Arbeitnehmerrechte durch kollektiven Zusammenhalt. Gewerkschaften verhandeln bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für alle.
Gewerkschaft findenGestalten Sie Politik aktiv mit – durch Mitgliedschaft in einer demokratischen Partei, die Ihre Werte vertritt.
Schützen Sie sich vor unlauteren Geschäftspraktiken – Verbraucherschutzorganisationen informieren, beraten und kämpfen gegen reine Profitgier.
Organisationen entdeckenKleine und mittlere Unternehmen wirtschaften oft näher am Menschen – regional verwurzelt, gemeinwohlorientierter und weniger renditegetrieben als börsennotierte Konzerne. Besser als gar nichts!
Alternativ einkaufenSchließen Sie sich einer Initiative, Organisation oder Bewegung an, die Ihnen wichtig ist – vor Ort oder online.
Engagement findenWerden Sie Mitglied einer Genossenschaft – von Energie- und Wohnungsbaugenossenschaften bis hin zu Konsumgenossenschaften.
Genossenschaft suchenInformieren Sie sich über Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit – Versicherungen, die ihren Mitgliedern verpflichtet sind.
VVaG findenErsetzen Sie proprietäre Software durch freie Alternativen – gemeinschaftlich entwickelt, transparent und oft kostenlos.
Open Source entdeckenElinor Ostrom bewies als erste Frau mit dem Wirtschaftsnobelpreis (2009), dass Gemeinschaften ihre gemeinsamen Ressourcen langfristig und nachhaltig selbst verwalten können – ohne Privatisierung und ohne staatliche Eingriffe. Ihre acht Designprinzipien sind das Ergebnis jahrelanger empirischer Feldforschung an real funktionierenden Gemeingütern weltweit. Sie zeigen konkret, unter welchen Bedingungen Selbstorganisation gelingt – und sind damit ein wissenschaftliches Fundament für die Idee des Gemeinwohls: dass Menschen gemeinsam und fair wirtschaften können, wenn die Strukturen stimmen.
Wer zur Gemeinschaft gehört und welche Ressource genutzt wird, ist eindeutig festgelegt.
Regeln für Entnahme und Bereitstellung sind auf die spezifischen ökologischen und sozialen Gegebenheiten zugeschnitten.
Die meisten Betroffenen können aktiv an der Anpassung der Regeln mitwirken – demokratische Mitgestaltung ist strukturell verankert.
Kontrolleure, die der Gemeinschaft verantwortlich sind oder ihr selbst angehören, beobachten aktiv die Ressourcennutzung.
Regelverstöße werden mit Strafen geahndet, die schrittweise eskalieren – beginnend mit informellen Verwarnungen.
Zugängliche und erschwingliche Mechanismen zur schnellen Beilegung von Streitigkeiten unter Mitgliedern sind vorhanden.
Externe Behörden greifen nicht in das Recht der Gemeinschaft ein, sich selbst zu verwalten.
Bei größeren Systemen sind Governance-Aktivitäten in mehreren Ebenen verschachtelter Einheiten organisiert, die lokales Handeln mit übergeordneten Strukturen koordinieren.